Konflikte meistern

 

Wie entstehen Konflikte? Wann handelt es sich um ein Problem, wann um einen eskalierten Konflikt und wie gehe ich damit um? Wie kann ich mich selbst beruhigen und eine Lösung finden? 

Im Blog findest du Infos rund um das Thema Problem und Konflikt, einige Ideen und Tipps wie du Dampf ablassen, gut zu dir und eine Lösung finden kannst. 

 

 


Problem oder Konflikt?

  • Zu Beginn handelt es sich bei einer Diskussion erstmal um ein Problem. Zieht sich die Diskussion um die unterschiedlichen Meinungen über einen längeren Zeitraum hin, hat das brisante Thema einen hohen Stellenwert für beide Personen und sind die Meinungen nicht miteinander vereinbar, spricht man noch immer von einem Problem
  • Ein Konflikt entwickelt sich, wenn die Sachlichkeit verloren geht und die negativen Gefühle überhand nehmen. 
  • Probleme lassen sich sachlich lösen, bei Konflikten sind die negativen Gefühle der Lösung im Weg. Bestenfalls erkennt und löst man Probleme bevor diese zu einem Konflikt werden.

Dampf ablassen

Da ein Konflikt durch die negativen Emotionen schwerer gelöst werden kann, solltest du zuerst einmal Dampf ablassen. Mit der Beruhigung der Emotion kann im besten Fall der Konflikt wieder zu einem Problem werden und damit sachlich gelöst werden. Doch wie geht das? 

  • Nimm dich selbst ernst und horch in dich hinein - was ist dein Bedürfnis, um was geht es dir wirklich? 
  • Achte auf deine eigenen Emotionen, was fehlt dir? 
  • Was brauchst du zur Beruhigung? Kannst du das möglicherweise deinen Konfliktpartner mitteilen? 
  • Versuche auch deinen Konfliktpartner ernst zu nehmen, seine Emotionen und unterschiedliche Meinung anzuerkennen
  • Versuche bei aufkommenden Problemen bewusst in der Sachebene zu bleiben. 

 Man sagt, bei einem Konflikt hat grundsätzlich einmal jeder recht. Jeder hat seine in sich schlüssige Sicht- und Erlebnisweise. Aber jeder Konfliktpartner kann auch nur einen Ausschnitt wahrnehmen. Beachte auch, dass es keine Konfliktlösung durch Freunde und ‚Verbündete‘ geben kann. Denn auch sie kennen nur deine Position und Sichtweise. ;) In einem Konflikt setzen wir uns lieber mit Menschen die uns verstehen und ähnlich sind zu dem Streitpunkt auseinander. Dadurch wird jedoch deine Position noch mehr bestärkt und du bleibst noch mehr im Konflikt verhaftet. Eine objektive Sicht im Rahmen einer psychologischen Beratung kann dir helfen, wieder klarer zu werden. 


Schuld und Fehler

Die meisten unserer eigenen Fehler sind uns nicht bewusst solange uns niemand darauf aufmerksam macht. Wir handeln in der Regel so, wie es sich für uns richtig anfühlt. Dabei machen wir uns nicht die Mühe, uns in die Situation des gesamten Umfeldes einzuspüren und zu überprüfen, ob unser Verhalten für irgendjemanden ungerecht oder unangenehm sein könnte. Manches würden wir wahrscheinlich unterlassen, wenn uns klarer wäre, welche negativen Emotionen wir bei jemand anderen auslösen. Da wir uns jedoch keiner Schuld bewusst sind, folgt auf eine Konfrontation ein GegenangriffIn den meisten Konflikten lässt sich die Schuldfrage nicht klären, es ist daher Energieverschwendung die Schuld zu suchen. Jeder Mensch macht Fehler und meist steckt keine böse Absicht dahinter.


Eigene kleine Welt

Jeder Mensch hat seine eigene kleine Welt in der er lebt und die für ihn richtig und wichtig ist. Diese Welt ist seine Wirklichkeit. Wir haben also genauso viele kleine Welten wie Menschen auf der Erde. Je ähnlicher diese Welten sich sind, desto mehr Verständnis können wir füreinander aufbringen. Wird diese kleine Welt vermeintlich angegriffen, sind wir bereit dafür zu kämpfen und verteidigen diese durch RechtfertigungWenn du deinem Konfliktpartner einen Einblick in deine kleine Welt gewährst, statt sein Verhalten zu verurteilen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er dich verstehen kann.


Ändern?

Im Streitfall wollen wir, dass sich der andere ändert. Doch wir können keinen anderen Menschen ändern, schon gar nicht im Streit.

Die einzig fixe Komponente die du beeinflussen kannst, bist du selbst: Wenn du neue Wege im Umgang mit Konflikten findest, dann weisst du, dass du den Konflikt selbst beeinflussen kannst und es stabil funktioniert. 

So wie du denkst, so fühlst du. So wie du fühlst, so handelst du. So wie du handelst entsteht eine Reaktion darauf. ‚Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück.‘

Vielleicht denkst du jetzt ‚Warum soll ich mich ändern oder nachgeben?‘. Die Sorge, dass man selbst auf der Stecke bleibt wird laut, wenn du plötzlich so viel Verständnis für andere hast. Der andere ist, wie er ist, unabhängig davon, ob du Verständnis zeigst oder nicht. Er wird nicht durch dein Verständnis anstrengend für dich, sondern es ist es bereits vorher. Durch dein Verständnis entwickelst du weniger negative Emotionen und das Problem lässt sich noch auf der Sachebene lösen. 


Ich anstatt Du

Worte können zu Waffen werden und mit jedem Satz setzen wir einen Hieb auf unseren Konfliktpartner im Streit. Mit ‚du‘ zeigen wir auf, werfen wir vor, klagen wir an und erwarten dafür noch Einsicht. 

…’Du bist…’

…’Du hast schon wieder…’

… ‚Nie kannst du…‘

Dabei hören wir uns wie Eltern oder Lehrer an und sind nicht auf der gleichen Ebene wie unser Gegenüber. 

Wie kann ich mich nun erklären, was ich meine, ohne das sich jemand angegriffen fühlt? Indem ich nicht über den anderen, sondern über mich erzähle! Ich beschreibe wie es mir geht, was ich sehe und was es bei mir auslöst.


Fragen an dich & Ich-Aussagen

Hilfreiche Fragen vor dem Gespräch an dich selbst:

  • Was genau stört mich?
  • Welche Gedanken und Gefühle habe ich dabei?
  • Welche Bedürfnisse sind unerfüllt?
  • Warum ist mir das Thema so wichtig?
  • Was wünsche ich mir konkret?
  • Was kann ich realistisch gesehen erreichen? 

ICH Aussagen enthalten:

  • Den Vorfall & die Feststellung der Tatsachen‚Dein Kalvierüben‘ anstatt ‚Dein Geklimper‘...
  • Meine Reaktion & das subjektive Beschreiben ‚… werde ich wach… ärgere ich mich…werde nervös weil ich nicht schlafen kann und am nächsten morgen einen wichtigen Termin habe’ besser als ‚Du bist rücksichtslos!‘ 
  • Wunsch & eine mögliche Verbesserung ohne Anspruch ‚Ich möchte mit dir eine Lösung finden und Zeiten vereinbaren.‘ anstatt ‚Du hast dich an die Hausordnung zu halten.‘ 

Lösungssuche

  • Bedenke, dass jeder Konflikt ein Anfang und ein Ende hat.
  • Extreme Positionen sind selten zutreffend und wenig hilfreich in der Konfliktlösung. Eine Lösung liegt irgendwo in der Mitte
  • Nimm etwas Distanz zum Konflikt ein, lass Ruhe einkehren und reflektiere die Situation. 
  • Versuch auch andere Positionen die den Konflikt betreffen nach einer Zeit wieder einzunehmen, Ansichten können sich verändern
  • Was verbindet dich und deinen Konfliktpartner? Gibt es Gemeinsamkeiten? Was ist euch beiden wichtig? Wag dich auf die Suche nach den kleinsten gemeinsamen Nenner.
  • Brainstorme über mögliche, noch so abstrakte Lösungsmodelle und konkretisiere eine mögliche Umsetzung der Ideen.


Aus Gründen der Lesbarkeit wurde darauf verzichtet, geschlechtsspezifische Formulierungen zu verwenden.

Soweit personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise.