Sucht und Coabhängigkeit

Sucht wird von vielen Experten als eine Erkrankung eingestuft, doch manche stimmen mit dieser Aussage nicht ganz überein.

 

Fest steht, dass Sucht, egal ob Alkohol, Drogen, Medikamente, Kauf, Internet, Magersucht, … ein sehr ernstes Problem mit vielfältigen Auswirkungen ist.

 

Lest mehr über aktuelle Erkenntnisse zur ‚Krankheit’ Sucht, was für Folgen die Sucht für Familie & Freunde des Betroffenen hat und warum es dazu kommt. 

In Österreich gelten etwa 340.000 Menschen als alkoholkrank, knapp 735.000 Österreicher konsumieren Alkohol regelmäßig in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß. Das Burgenland führt die Tabelle mit ‚durchschnittlichem Alkoholkonsum’ noch vor Wien und Salzburg an.

 

Die Sucht zerstört das Leben wie es gewohnt war, trennt Beziehungen und hinterlässt Narben. Wirtschaftlich betrachtet verursacht die Sucht jedes Einzelnen zusätzlich immense volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit, Unfälle und Krankheiten. 

 

Studien haben belegt, dass das Suchtverhalten zu einer Umbildung im Gehirn führt, das Verlangen nach dem Rauschmittel steht im Vordergrund und beherrscht das Denken und Wollen, alles andere ist nebensächlich. Somit verändert eine Sucht auch die Psyche


Warum kommt es zur Sucht?

Die Sucht hat zum einen eine genetische Veranlagung, zum anderen kommen noch weitere Faktoren hinzu wie der Freundeskreis, die Belastbarkeit, Traumata, Krisenbewältigung, der Rückhalt der Familie etc. 

Der Weg zur Sucht enthält mehrere Treppen und beginnt mit einem Ausprobieren und dem Gefallen an der Wirkung. Bei der nächsten Gelegenheit wird die Substanz wieder konsumiert und die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf. Es kommt zur Gehirnveränderung und das Verlangen nach der Droge steigt. Aus dem Gelegenheitskonsumenten oder Ausprobierer ist ein Abhängiger geworden. 

Die Sucht hat eine starke genetische Basis, das heißt jedoch nicht, dass jedes Kind eines Alkoholikers auch zum Süchtigen wird. Jeder Mensch, auch wenn er süchtig ist, hat seine Entscheidungsfreiheit und Willenskraft die ihn in die Abhängigkeit hinein oder aus der Abhängigkeit hinaus befördern kann. 


Die Angehörigen - Coabhängigkeit

 

 

 

Mit einem Suchtkranken über seine Probleme zu diskutieren und Vorwürfe zu machen, ist genau so sinnlos wie einen Alzheimerkranken zu fragen, warum er sich verirrt hat. 

 

 

 

Die Zahl der Leidtragenden einer Sucht ist höher als die Statistiken belegen können. Hinter jedem Süchtigen gibt es die Männer, Frauen, Kinder, Freunde, die sich Sorgen machen und direkt von der Sucht eines Angehörigen betroffen sind: Frauen, die für ihren Partner lügen, Eltern die ihre Kinder decken und Kinder die die Aufgaben der Eltern übernehmen.

 

Die Coabhängigen stellen ihr eigenes Leben hinten an und richten ihren Tagesablauf nach dem des Süchtigen um die Sucht zu kontrollieren und zu verheimlichen, damit sich der Schaden nicht über die Familie hinaus bezieht. Im Gedanken so die Sucht kontrollieren zu können wird Alkohol besorgt und den eigenen Hobbys nicht nachgegangen, um beim Süchtigen zu sein und zu verhindern, dass er konsumiert. Die Stimmung ist vom Verhalten des Süchtigen abhängig, das Problem des Süchtigen wird zum eigenen alltagsbestimmenden Problem. 

 

Experten sprechen vom ‚Coabhängigkeitssyndrom’: Angehörige zeigen ein suchtähnliches Verhalten dem Süchtigen zu helfen und versuchen fast zwanghaft die Sucht des anderen zu kontrollieren. Gleichzeitig wird die Sucht jedoch verleugnet und für den Süchtigen gelogen - Anrufe im Büro, dass der Partner heute nicht zur Arbeit kommen kann, das Kind nicht in die Schule etc..

Die Gratwanderung zwischen Hoffen, dass die Sucht besiegt wird und den Enttäuschungen führen zu Erschöpfung, Angstverhalten und oft auch einem eigenem problematischen Umgang mit Alkohol, Drogen oder Tabletten. 

 

Angehörige haben keine Schuld an der Sucht des anderen und können die Sucht auch niemals kontrollieren. Erst wenn das gesamte Ausmaß der Sucht beim Abhängigen gelassen wird, kann es zu einem weiteren Schritt kommen. Dazu gehört auch, dass nicht mehr gelogen wird und der Süchtige selbst die negativen Konsequenzen erleben muss zB. keine Ausreden und Lügen beim Arbeitsplatz durch den Partner, Abnahme der Schlüssel für das Auto etc. Durch die Konsequenz der Angehörigen finden Süchtige schneller den Weg in eine  Beratung und die Angehörigen wieder den Weg in die eigene Kraft und zurück in Leben zu Freunde & Hobbys. 


Ich wünsche euch viel Kraft für den Weg und begleite euch gerne ein Stück dabei. Meldet euch gerne bei mir. 

 

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde darauf verzichtet, geschlechtsspezifische Formulierungen zu verwenden. Soweit personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise.